GRÜNE besuchen Fußballverein WGB Weilburg
„Niemand darf wegen seiner Herkunft und seiner Religion benachteiligt werden“. Dass diese Sätze des Grundgesetzes immer wieder im realen Leben in Frage gestellt werden und ernstgemeinte Integration jeden Tag neu erkämpft und gelebt werden muss, ist eines der Resultate des Besuches der Grünen beim Weilburger türkischen Fußballverein WGB.

vlnr. Heinz-Jürgen Deuster, Fraktionsvorsitzender im Kreistag), Rüdiger Schultheis (Kreisvorstand), Savvas Eser (1. Vorsitzender WGW), Yasar Serhat Simsek (Vorstand der Ditib Weilburg Moschee), Renate Michel (Kreistagsfraktion), Dieter Langer (Stadtfraktionsvorstzender), Mustafa Yüce (2. Vorsitzender WGW), Savas Sahin (Vorstandsmitglied WGW), Udo Sartorius (Stadtverordneter), Cornelius Dehm (Sprecher Grüne Jugend im Kreis)
Mitglieder der Kreistags- und der Stadtfraktion, sowie des Kreisvorstandes der Grünen besuchten den türkischen Verein Weil-Gencler-Birligi 1985 Weilburg (übersetzt: Weil Jugendgemeinschaft Weilburg), den ranghöchsten Fußballverein Weilburgs in ihrem Vereinsort in der Weilburger Marktstraße, der in diesem Jahr sein 25jähriges Bestehen feiert
Der SPD-Stadtverordnete und Zweiter Vorsitzender Mustafa Yüce berichtete zunächst, dass Weilburg im Kreis die höchste Dichte an türkisch stämmigen Mitbürgern hat. Von den etwa 3000 im gesamten Kreis leben in Weilburg 1000 (davon haben ca 600 einen deutschen Pass), dies sei geschichtlich erklärbar durch die Ansiedelung der ersten Gastarbeiter im Raum Weilburg. Gegenwärtig verlagern sich die Lebensräume mehr nach Limburg aufgrund besserer Arbeitsmöglichkeiten. Trotzdem bleiben die Fußballspieler dem Verein WGW verbunden und sorgen für die hohe Spielstärke.
Der 1. Vorsitzende Savas Eser und Mustafa Yüce (2.Vorsitzender) schilderten die Schwierigkeiten des Vereins einen heimischen Spielort zu finden. Der Kreis habe aufgrund der bald beginnenden Bauarbeiten die Nutzung des Hartplatzes an der Gagern-Schule ab Februar aufgekündigt, sodass weder Spielmöglichkeiten noch Trainingsort zur Verfügung stehen. Für den ranghöchsten Fußballverein und seine Planungen sei dies ein haltloser Zustand. Schon im Vorfeld gab es immer wieder organisatorische Schwierigkeiten, dürfen sich doch die Spieler nicht in der Gagernhalle umziehen, sondern müssen zur einen Km entfernten Hessentagshalle laufen. Die Nutzung des Hartplatzes an sich ist gerade in den Sommermonaten sehr unerfreulich, aber das Stadion steht nach der Übergabe von Kreis zur Stadt und von Stadt zum WFV auch nicht mehr zur Verfügung, obwohl dies früher mal abgesprochen war. Vielmehr müssen die türkischen Spieler sogar weichen, wenn wegen der Witterungsbedingungen das Stadion nicht genutzt werden kann. An vielen kleinen Dingen (keine Abstellmöglichkeiten für Utensilien usw) sähe man, dass es für das türkische Team sehr schwierig ist, so etwas wie Normalität im Umgang mit anderen Vereinen oder Behörden zu erleben.
In anderen Kreisen gibt es bereits mehrere Teams unterschiedlicher Nationalitäten, nach Ansicht der Grünen eine eher normale Entwicklung, gäbe es doch auch im Ausland deutsche Klubs, in denen der Wunsch nach Zusammenkunft und Austausch der eigenen Kultur entsprochen wird. Anpassung müsse ja nicht gleichbedeutend mit Aufgabe der eigenen Kultur sein.
Probleme zeigten sich in allen Lebensbereichen.
Selbst im Tod sind die Menschen anscheinend nicht gleich, denn für verstorbene Muslime, die nicht in der Heimat zurückgebracht werden, gibt es kaum Friedhofsplätze, berichtete Yüce aus den alltäglichen Problemen der muslimischen Bevölkerung weiter. In Weilburg seien erst kürzlich ein paar Grabfelder zur Verfügung gestellt worden, die aber nur für Weilburger Bürger genutzt werden können. Verstorbene Muslime in anderen Gemeinden haben keine Chance auf eine Beerdigung im würdigen islamischen Rahmen. Hier appellieren die Grünen, dass in jeder Kommune auch Friedhofsplätze für Muslime eingerichtet werden sollten, dies sei allein eine Frage der Menschlichkeit.
Dass die gegenseitigen Vorurteile immer noch eine Annäherung erschweren sei auch deutlich geworden beim Treffen in der Stadthalle im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Weilburg und Kızılcahamam. Nur ganz wenig Deutsche waren in der Stadthalle anwesend. Man müsse aber immer wieder aufeinander zugehen. Er regte an, dass man nichtdeutsche Bewerber aus dem Verein für die anstehende Wahl zum Ausländerbeirat (im Nov. 2010) unterstützen würde.
Mustafa Yüce dankte den Grünen für Ihr Interesse, sie seien die erste Fraktion, die zu einem Gespräch den Verein besucht hat.
Fraktionsvorsitzender Deuster erklärte, dass die viel zitierte Integration auch gelebt werden muss, nur durch Austausch können Vorurteile abgebaut werden. Schritte aufeinander zu machen, können beide Seiten, nicht nur eine.
Er begrüßte, dass die Weilburger Moschee offen ist für Besuche von Schulklassen und regte an, diese zu verstärken.
Der vereinbarte Besuch der Weilburger Moschee in der Niedergasse durch die GRÜNEN soll umgehend nachgeholt werden und die Grünen laden interessierte Weilburger ein, sie zu begleiten. Interessierte wenden sich bitte an Heinz-Jürgen Deuster.