Nukleare Gefahr – bei uns?

Quelle: https://www.uranmunition.net/bilder,epidemiologische_daten.html

Folgen des Einsatzes von Uranmunition im Irak

Simon Lissner, 17.10.2016

 Das menschliche Gedächtnis, besonders das politische, gleicht eher dem epidemischen Ausbruch einer Massendemenz, hinzu kommen politisch-moralische Denkblockade und glatte Realitätsverweigerung. In einem höchst aufschlussreichen Vortrag anlässlich einer Sitzung des erweiterten Kreisvorstandes erinnerte Nina Eisenhardt, Geschäftsführerin der GRÜNEN JUGEND Hessen, an die fortgesetzte Existenz nuklearen Bedrohungsarsenals in Europa und Deutschland. Gefährlich ist, dass besonders auch unser GRÜNES Gedächtnis uns eher zu verlassen scheint. Beruhigt lehnen wir uns zurück. „Deutschland steigt“ aus (der „friedlichen“ Nutzung der Atomenergie aus“). Wirklich – sollte es das gewesen sein?

Dahinter steht zurück, und nur eine verschwindende Minderheit kümmert sich bisher drum, dass unterdessen US-Präsident Obama von der „Modernisierung“ des NATO-Atomwaffenarsenals in Deutschland spricht, in Europa unverdrossen Atomwaffen unterhalten werden (Frankreich), Polen und andere Osteuropäische Länder sich nicht entblöden, die Stationierung auf ihrem Boden zu fordern, und, als eine der ersten Maßnahmen nach dem Brexit-Beschluss verabschiedete das Britische Unterhaus gar den Ausbau ihres Mordarsenals (siehe dazu WELT v. 19.7.16 und Focus v. 6.3.15). Nukleare Entspannung und Abrüstung ist nicht nur einfach kein Thema mehr, sondern es ist kaum zu übersehen, dass die nukleare Rüstungsspirale angeworfen ist. Darüber kann weder das sogenannte und umstritten „Atomabkommen“ mit Iran hinwegtäuschen, noch die im Vordergrund stehenden Nachrichten über den Durchgeknallten aus Nord-Korea.

Wir wollen an dieser Stelle nicht erörtern, dass allein die Existenz von Atomkraftwerken in der Welt eine Einladung an den (selbst-)mörderischen Faschismus in islamischen und anderen „modernisierten“ Gewändern ist. Wir wollen uns einmal ganz darauf konzentrieren, dass etwa die Logik „vom Schrecken der Abschreckung“ immerhin noch eine nachvollziehbare, innere Logik hatt(e). Unter den Bedingungen nur weniger Nuklearmächte während des Kalten Krieges konnte man noch auf eine gewisse Ratio unter diesen Wenigen setzen. Aber heute? Heute diese Rüstungsspirale wieder in Gang gesetzt zu haben, kann sich als das größte, selbstmörderische Menschheitsverbrechen erweisen, und möglicherweise war es „unser“ letztes.

Eisenhardt informierte darüber, dass aktuell 700 Nuklearwaffen unterschiedlicher Qualität in den NATO – Arsenalen einschließlich Frankreich, lagern. Darunter in der Türkei, die bekanntlich an Krisenherde und Kriegsgebiete angrenzt und die den Anschein macht, alles andere als „stabil“ zu sein, 50-90 (Incirlik). Entgegen früheren Versprechen, hat das in Büchel gelagerte Arsenal alle deutschen Regierungskonstellationen überdauert und existiert bis heute fort.

Auch wenn die Mehrheit der Bevölkerung Westeuropas weiterhin gegen Atomwaffen ist, sich in Sicherheit dachte und mit der Verschrottung rechnete, scheint das ihre parlamentarischen Vertretungen einen feuchten Kehricht zu scheren.

Natürlich sind Atomwaffen bereits dann eine Gefahr, selbst wenn sie nicht in einem Krieg zum Einsatz kommen. Anbei eine beispielhafte Liste von Unfällen mit Atom-U-Booten. Das jüngste bekannt gewordenen Ereignis berichtet N-TV am 21.7. – Ein britisches Atom-U-Boot rammt einen Tanker. Wie immer angeblich alles gaaaanz harmlos.

Nina Eisenhardt, Geschäftsführerin der GJ Hessen
beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der nuklearen Rüstungspolitik Europas.

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